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    Vorsorge 9 Min.September 2026

    Berufsunfähigkeit für selbstständige Handwerker: Was passiert, wenn du nicht mehr arbeiten kannst?

    Ein Unfall, eine Krankheit – und der Betrieb steht still. Warum die Berufsunfähigkeitsversicherung für selbstständige Handwerker so wichtig ist und worauf du beim Abschluss achten solltest.

    Wenn der Körper streikt, läuft der Betrieb trotzdem weiter

    Stell dir vor: Du bist selbstständiger Dachdecker, 42 Jahre, führst deinen Betrieb mit sechs Mitarbeitern. Eines Tages rutschst du auf einer Baustelle ab, fängst dich falsch auf, und der Arzt sagt: Wirbeltbruch. Erst einmal sechs Wochen gar nichts, danach vielleicht Monate nur leichte Arbeit. Auf dem Dach wirst du in absehbarer Zeit nicht mehr stehen.

    Was passiert jetzt mit deinem Betrieb? Die Mitarbeiter müssen weiter bezahlt werden, die Werkstattmiete läuft, der Leasingvertrag für den Transporter läuft, die Materialrechnungen warten. Aber du als Inhaber – derjenige, der die Aufträge akquiriert, die Baustellen leitet und den Laden zusammenhält – kannst nicht arbeiten.

    Genau hier setzt die Berufsunfähigkeitsversicherung an. Sie springt ein, wenn du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst, und sichert dein Einkommen ab. Für selbstständige Handwerker ist das einer der wichtigsten Bausteine der privaten Absicherung überhaupt – und gleichzeitig einer, der viel zu oft vernachlässigt wird.

    In diesem Beitrag erklären wir dir, warum die Berufsunfähigkeit für Handwerker ein so großes Thema ist, wie eine solche Versicherung funktioniert, worauf du beim Abschluss achten solltest und welche Fehler du besser vermeidest. Ganz ohne Versicherungsdeutsch, dafür mit Beispielen aus dem Handwerker-Alltag.

    Inhaltsverzeichnis

    • Warum Handwerker besonders gefährdet sind
    • Was ist eigentlich Berufsunfähigkeit?
    • Der Unterschied zwischen Erwerbs- und Berufsunfähigkeit
    • Wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung funktioniert
    • Was die Versicherung leistet – und was nicht
    • Wann zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung?
    • Wie hoch sollte die Rente sein?
    • Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Handwerker?
    • Besonderheiten für selbstständige Handwerker
    • Berufsunfähigkeit oder Krankentagegeld – oder beides?
    • Typische Fehler beim Abschluss
    • So prüfst du, ob du richtig abgesichert bist
    • FAQ

    Warum Handwerker besonders gefährdet sind

    Handwerk ist körperliche Arbeit. Wer täglich auf Dächern steht, schwere Maschinen bedient, in engen Räumen kniet oder mit gefährlichen Werkzeugen hantiert, trägt ein höheres Risiko als jemand, der den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt. Das ist keine Panikmache, sondern schlicht die Realität des Berufs.

    Dazu kommt: Viele Handwerksunternehmer sind gleichzeitig die wichtigste Arbeitskraft ihres Betriebs. Wenn der Inhaber ausfällt, fehlt nicht nur ein Mitarbeiter – es fehlt die Person, die den Laden am Laufen hält. Aufträge akquirieren, Kunden betreuen, Baustellen leiten, Rechnungen schreiben – all das liegt oft in einer Hand.

    Statistisch gesehen wird etwa jeder vierte bis fünfte Arbeitnehmer im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig. Die häufigsten Ursachen sind dabei gar nicht Unfälle, sondern Erkrankungen – Rückenleiden, Gelenkprobleme, psychische Belastungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer im Handwerk arbeitet, trifft mehrere dieser Risikofaktoren gleichzeitig.

    Körperliche Belastung als Dauerzustand

    Ein Tischler, der täglich schwere Platten hebt, ein SHK-Meister, der in engen Kellern kniet, ein Metallbauer, der mit Schweißgeräten in Hitze arbeitet – all das belastet den Körper über Jahre. Irgendwann meldet sich der Rücken, das Knie, die Schulter. Was als harmloser Schmerz beginnt, kann irgendwann bedeuten, dass der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.

    Wer hier frühzeitig vorsorgt, hat im Ernstfall ein Sicherheitsnetz. Wer es versäumt, steht plötzlich vor dem Ende seiner Selbstständigkeit – und oft vor dem Ende seiner finanziellen Sicherheit.

    Was ist eigentlich Berufsunfähigkeit?

    Berufsunfähigkeit bedeutet vereinfacht gesagt: Du kannst deinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich dauerhaft nicht mehr zu mindestens 50 Prozent ausüben. Ob das der Fall ist, wird medizinisch geprüft und von der Versicherung festgestellt.

    Wichtig ist der Begriff „Beruf“ – und genau hier wird es für Handwerker interessant. Es geht nicht darum, ob du überhaupt noch arbeiten kannst. Es geht darum, ob du deinen konkreten Beruf noch ausüben kannst. Ein Dachdecker, der nicht mehr klettern darf, ist in seinem Beruf berufsunfähig – auch wenn er theoretisch noch eine Büroarbeit verrichten könnte.

    Diese Unterscheidung ist entscheidend, weil sie bestimmt, wann die Versicherung zahlt. Wer eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung hat, ist genau in dieser Situation abgesichert: Er erhält eine Rente, wenn er seinen erlernten und ausgeübten Beruf nicht mehr machen kann.

    Der Unterschied zwischen Erwerbs- und Berufsunfähigkeit

    Diese beiden Begriffe werden oft verwechselt, sind aber grundverschieden. Wer sie nicht auseinanderhält, kauft vielleicht den falschen Schutz.

    MerkmalErwerbsunfähigkeitBerufsunfähigkeit
    DefinitionDu kannst überhaupt nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt arbeiten – egal in welchem Beruf.Du kannst deinen konkreten, zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben.
    Beispiel DachdeckerDu kannst auch keine Büro- oder Lagerarbeit mehr machen.Du kannst nicht mehr auf Dächer, aber theoretisch noch andere Tätigkeiten.
    Wann zahlt die Versicherung?Nur bei völliger oder fast völliger Arbeitsunfähigkeit.Schon, wenn dein eigener Beruf nicht mehr möglich ist.
    BeitragOft günstiger, weil seltener LeistungTeurer, aber deutlich umfassenderer Schutz
    Erwerbs- vs. Berufsunfähigkeit – die wichtigsten Unterschiede

    Warum die Unterscheidung für Handwerker entscheidend ist

    Für Handwerker ist die Berufsunfähigkeit meist die sinnvollere Absicherung. Warum? Weil ein körperlich beeinträchtigter Handwerker oft noch irgendeine Arbeit machen könnte – etwa im Verkauf oder in der Verwaltung. Eine reine Erwerbsunfähigkeitsversicherung würde in diesem Fall nicht zahlen, weil er ja noch „irgendetwas“ könnte. Die Berufsunfähigkeitsversicherung hingegen zahlt, sobald der eigene Beruf nicht mehr möglich ist.

    Wer Geld sparen will und nur eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung abschließt, spart am falschen Ende. Im Ernstfall bleibt er dann ohne Leistung – genau dann, wenn er sie am dringendsten braucht.

    Wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung funktioniert

    Die Berufsunfähigkeitsversicherung – oft kurz BU genannt – ist eine private Versicherung, die du monatlich bezahlst. Tritt der Fall ein, dass du deinen Beruf nicht mehr ausüben kannst, zahlt dir die Versicherung eine vorher vereinbarte monatliche Rente – meist bis zum Ende der Laufzeit, oft bis zum Renteneintrittsalter.

    Ob du berufsunfähig bist, wird im Leistungsfall medizinisch geprüft. Du reichst ärztliche Befunde ein, die Versicherung lässt diese auswerten und entscheidet dann, ob und in welcher Höhe sie leistet. Dabei wird geprüft, ob du deinen Beruf noch zu mindestens 50 Prozent ausüben kannst.

    Wichtig: Die Versicherung prüft nicht, ob du „irgendeinen“ Job machen könntest, sondern ob du deinen konkreten Beruf noch ausüben kannst. Für einen gelernten Dachdecker bedeutet das: Zahlt die Versicherung, wenn er nicht mehr auf Dächer klettern kann – auch wenn er theoretisch noch als Lagerist arbeiten könnte.

    Staffelung der Leistung

    Viele Tarife staffeln die Leistung nach dem Grad der Berufsunfähigkeit. Bei 50 Prozent Berufsunfähigkeit zahlt die Versicherung oft die volle Rente, bei 25 Prozent manchmal die Hälfte. Die genauen Staffelungen unterscheiden sich von Tarif zu Tarif und sollten vor dem Abschluss genau geprüft werden.

    Für Handwerker ist besonders wichtig: Schon eine teilweise Berufsunfähigkeit – etwa wenn du deinen Beruf noch zur Hälfte ausüben kannst – kann zu einer Leistung führen. Wer hier einen starren Tarif hat, der nur bei 100 Prozent zahlt, geht leer aus, obwohl er tatsächlich eingeschränkt ist.

    Was die Versicherung leistet – und was nicht

    Die Berufsunfähigkeitsversicherung leistet eine monatliche Rente, wenn du deinen Beruf nicht mehr ausüben kannst. Was sie nicht leistet, ist die Übernahme von Behandlungskosten – dafür ist die Krankenversicherung zuständig. Und sie leistet auch kein Einmal-Kapital, sondern eine laufende monatliche Zahlung.

    Was die Versicherung nicht automatisch abdeckt, sind vorübergehende Erkrankungen. Wer wegen eines Beinbruchs sechs Wochen nicht arbeiten kann, bekommt in der Regel keine BU-Rente – dafür ist das Krankentagegeld da. Die BU greift erst, wenn die Einschränkung voraussichtlich dauerhaft ist, meist über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten.

    • Geleistet wird: eine monatliche Rente bei dauerhafter Berufsunfähigkeit.
    • Nicht geleistet wird: die Übernahme von Arzt- oder Behandlungskosten.
    • Nicht geleistet wird: eine Einmalzahlung – es ist eine laufende Rente.
    • Nicht automatisch geleistet wird: Leistung bei kurzfristigen Erkrankungen – hier greift das Krankentagegeld.

    Wann zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung?

    Die Versicherung zahlt, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich dauerhaft nicht mehr zu mindestens 50 Prozent ausüben kannst. „Dauerhaft“ bedeutet in der Regel: Die Einschränkung besteht voraussichtlich länger als sechs Monate oder ist bereits eingetreten.

    Die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit sind – entgegen vieler Annahmen – nicht Unfälle, sondern Erkrankungen. Etwa drei Viertel aller Berufsunfähigkeitsfälle gehen auf Krankheiten zurück, nur etwa ein Viertel auf Unfälle. Wer also denkt, er brauche keine BU, weil er „schon keinen Unfall haben wird“, übersieht das viel größere Risiko: Erkrankungen, die schleichend zum Berufsausstieg führen.

    Typische Ursachen aus dem Handwerk

    Diese gesundheitlichen Probleme führen im Handwerk häufig zur Berufsunfähigkeit:

    • Rücken- und Gelenkprobleme – jahrelange körperliche Belastung macht sich irgendwann bemerkbar.
    • Schulter- und Armschäden – etwa bei Tischlern, Malern oder Metallbauern durch wiederkehrende Bewegungen.
    • Knieprobleme – besonders bei SHK-Monteuren, die oft in kniender Position arbeiten.
    • Psychische Belastungen – Druck, Verantwortung, Existenzängste können langfristig zur Berufsunfähigkeit führen.
    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen – bei körperlich fordernder Arbeit und Stress ein nicht seltener Grund.
    • Unfallfolgen – zwar seltener als Erkrankungen, aber oft mit schwerwiegenden Folgen.

    Wie hoch sollte die Rente sein?

    Die Höhe der BU-Rente bestimmst du beim Abschluss selbst. Die Frage ist: Wie viel Geld brauchst du monatlich, um deinen Lebensstandard zu halten, wenn du nicht mehr arbeiten kannst? Dabei geht es nicht um deinen Umsatz, sondern um das, was du zum Leben brauchst – also deine privaten und betrieblichen Fixkosten, die auch ohne dein aktives Arbeiten weiterlaufen.

    Ein häufiger Fehler: Handwerker versichern sich zu niedrig. Sie denken, sie bräuchten „nur“ 1.000 Euro im Monat, vergessen aber, dass Miete, Versicherungen, Auto, Familie und laufende Betriebskosten auch ohne Einkommen weiterlaufen. Wer hier zu sparsam ist, steht im Ernstfall trotzdem vor einer Lücke.

    Als Faustregel gilt: Die BU-Rente sollte mindestens so hoch sein, dass sie deine privaten Lebenshaltungskosten abdeckt. Viele Handwerker wählen eine Rente zwischen 1.500 und 3.000 Euro monatlich – je nach Lebensstandard und betrieblicher Situation. Wichtig ist, dass du die Höhe ehrlich kalkulierst und nicht nur nach dem niedrigsten Beitrag gehst.

    Beispiel: Ein Malermeister fällt dauerhaft aus

    Stell dir einen Malermeister vor, 38 Jahre, mit Frau und zwei Kindern. Er erkrankt an einer chronischen Schultererkrankung und kann nicht mehr streichen, nicht mehr klettern, nicht mehr körperlich arbeiten. Sein Betrieb läuft noch – seine Frau und ein Mitarbeiter halten ihn am Leben – aber er selbst kann nicht mehr aktiv mitarbeiten.

    Ohne Berufsunfähigkeitsversicherung müsste er den Betrieb vielleicht aufgeben oder verkaufen, sein Einkommen würde wegfallen, die Familie stünde vor einer existenziellen Krise. Mit einer BU-Rente von 2.000 Euro monatlich hat er ein finanzielles Sicherheitsnetz, das ihm Zeit gibt, den Betrieb umzustrukturieren oder einen Nachfolger zu finden – ohne sofort in finanzielle Not zu geraten.

    Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Handwerker?

    Es gibt keinen pauschalen Beitrag für eine BU. Der Preis hängt von mehreren Faktoren ab, die individuell geprüft werden müssen:

    • Alter beim Abschluss – je jünger du bist, desto niedriger der Beitrag.
    • Beruf – körperliche Berufe wie Dachdecker oder SHK-Meister werden höher eingestuft als Büroberufe.
    • Gesundheitszustand – Vorerkrankungen können zu Risikozuschlägen oder Ausschlüssen führen.
    • Höhe der Rente – je höher die monatliche Rente, desto höher der Beitrag.
    • Laufzeit – je länger die Versicherung läuft, desto höher der Beitrag, aber desto länger der Schutz.
    • Tarifdetails – Nachversicherungsgarantien, Verzicht auf abstrakte Verweisung und ähnliche Klauseln beeinflussen den Preis.

    Vorsicht vor zu günstigen Tarifen

    Wer nur auf den Preis schaut, kauft oft den falschen Schutz. Ein sehr günstiger Tarif kann bedeuten, dass im Leistungsfall wichtige Klauseln fehlen – etwa die sogenannte abstrakte Verweisung, die es der Versicherung erlaubt, dich auf einen anderen Beruf zu verweisen, statt zu zahlen. Wer hier spart, zahlt im Ernstfall drauf.

    Ein guter Tarif für Handwerker verzichtet auf die abstrakte Verweisung, bietet eine Nachversicherungsgarantie und staffelt die Leistung fair. Das kostet mehr – ist aber im Ernstfall Gold wert. Eine individuelle Prüfung zeigt dir, welcher Tarif zu deiner Situation passt.

    Besonderheiten für selbstständige Handwerker

    Für selbstständige Handwerker gelten bei der Berufsunfähigkeit einige Besonderheiten, die Angestellte so nicht haben. Wer sie nicht kennt, versichert sich vielleicht falsch.

    Kein Arbeitgeber, der auffängt

    Ein Angestellter, der berufsunfähig wird, hat zumindest für eine gewisse Zeit die Lohnfortzahlung und danach möglicherweise Ansprüche aus der Erwerbsminderungsrente. Ein Selbstständiger hat das nicht. Wenn er nicht arbeitet, fehlt das Einkommen sofort. Die BU ist für ihn deshalb nicht optional, sondern eine der wichtigsten Absicherungen überhaupt.

    Berufsbild vs. Tätigkeit

    Für Selbstständige ist die Definition des Berufs besonders wichtig. Ein Handwerksunternehmer, der selbst nicht mehr mit den Händen arbeitet, sondern den Betrieb leitet, hat ein anderes Berufsbild als ein Geselle, der täglich auf der Baustelle steht. Die Versicherung prüft im Leistungsfall, was du zuletzt tatsächlich gemacht hast – und genau darauf muss der Versicherungsschutz abgestimmt sein.

    Wer seinen Beruf falsch oder ungenau angibt, riskiert im Leistungsfall Probleme. Deshalb ist es wichtig, die Tätigkeit bei der Antragstellung ehrlich und genau zu beschreiben.

    Betrieb läuft weiter – aber wer leitet?

    Ein Sonderfall: Der Betrieb läuft vielleicht weiter, weil Mitarbeiter die Arbeit übernehmen. Aber wer leitet den Betrieb, akquiriert Aufträge, führt die Verhandlungen? Wenn das der Inhaber war und er ausfällt, fehlt genau diese Funktion. Die BU-Rente hilft hier, die Zeit zu überbrücken, in der der Betrieb umstruktiert oder ein Nachfolger gefunden wird.

    Berufsunfähigkeit oder Krankentagegeld – oder beides?

    Diese Frage stellen sich viele selbstständige Handwerker: Brauche ich eine BU oder reicht ein Krankentagegeld? Die Antwort lautet: Beides ergänzt sich, es ist keine Entweder-oder-Entscheidung.

    Das Krankentagegeld springt ein, wenn du vorübergehend krank bist – etwa sechs Wochen oder einige Monate. Es sichert dein Einkommen in der akuten Phase. Die Berufsunfähigkeitsversicherung greift, wenn die Einschränkung dauerhaft ist und du deinen Beruf voraussichtlich nicht mehr ausüben kannst.

    Wer nur ein Krankentagegeld hat, ist für kurzfristige Erkrankungen gut abgesichert – steht aber bei einer dauerhaften Berufsunfähigkeit ohne Schutz da. Wer nur eine BU hat, hat im Ernstfall langfristig Sicherheit – aber in den ersten Wochen und Monaten einer Erkrankung möglicherweise eine Lücke. Sinnvoll ist meist beides: Krankentagegeld für die akute Phase, BU für den Dauerfall.

    Beispiel: Ein Elektriker wird krank

    Ein selbstständiger Elektriker erkrankt an einer schweren Entzündung der Handgelenke. Zunächst kann er sechs Wochen gar nicht arbeiten – hier zahlt das Krankentagegeld. Danach wird klar: Die Erkrankung ist chronisch, er wird seinen Beruf dauerhaft nicht mehr ausüben können. Jetzt greift die Berufsunfähigkeitsversicherung und zahlt eine monatliche Rente – solange, wie es vereinbart wurde, oft bis zum Renteneintritt.

    Ohne Krankentagegeld hätte er in den ersten sechs Wochen kein Einkommen gehabt. Ohne BU hätte er danach vor dem Nichts gestanden. Beide Bausteine zusammen ergeben erst einen echten Schutz.

    Typische Fehler beim Abschluss

    Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, stolpert oft über die gleichen Fehler. Diese sechs sehen wir besonders häufig:

    • Zu niedrige Rente – 1.000 Euro klingen im ersten Moment nach viel, decken aber im Ernstfall oft nicht die tatsächlichen Kosten.
    • Falsche Berufsangabe – wer seinen Beruf ungenau oder falsch beschreibt, riskiert im Leistungsfall Ablehnung oder Kürzung.
    • Abstrakte Verweisung nicht ausgeschlossen – die Versicherung darf dich auf einen anderen Beruf verweisen, statt zu zahlen. Ein guter Tarif verzichtet darauf.
    • Keine Nachversicherungsgarantie – wer später mehr Absicherung braucht – etwa nach Heirat oder Familienzuwachs – kann den Vertrag ohne neue Gesundheitsprüfung anpassen.
    • Nur auf den Preis geschaut – der günstigste Tarif ist oft der mit den schlechtesten Bedingungen. Im Leistufsfall zahlt er oft nicht.
    • Zu spät abgeschlossen – je älter du beim Abschluss bist, desto teurer wird die BU. Wer früh vorsorgt, spart über Jahrzehnte erheblich.

    So prüfst du, ob du richtig abgesichert bist

    Eine ehrliche Prüfung deiner Absicherung lohnt sich – am besten regelmäßig, etwa einmal im Jahr oder bei jeder größeren Veränderung in deinem Leben. Gehen wir das in drei Schritten durch:

    • Hast du überhaupt eine BU? – Viele Handwerker haben nie eine abgeschlossen oder haben sie irgendwann gekündigt. Wer keine hat, sollte das Thema dringend angehen.
    • Passt die Höhe? – Entspricht die vereinbarte Rente noch deinen heutigen Lebensverhältnissen, oder ist sie längst zu niedrig?
    • Stimmen die Bedingungen? – Verzichtet dein Tarif auf die abstrakte Verweisung? Gibt es eine Nachversicherungsgarantie? Sind die Klauseln fair?

    Lass dich unterstützen

    Wer das nicht allein beurteilen möchte, kann seine Situation unverbindlich prüfen lassen. Handwerksabsicherung ist kein Versicherungsmakler – wir verkaufen keine Versicherungen und beraten nicht selbst. Wir verbinden dich mit spezialisierten Versicherungsexperten, die sich mit der Absicherung von Handwerkern auskennen.

    Du bist selbstständiger Handwerker und möchtest wissen, ob du im Fall der Fälle wirklich abgesichert bist? Über unseren kostenlosen Struktur-Check kannst du deine Situation prüfen lassen und herausfinden, ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu deiner persönlichen Lage passt. Mehr Grundlagen zur Absicherung findest du auch in unserem Überblick über Versicherungen für Handwerksbetriebe und im Beitrag zur PKV für selbstständige Handwerker.

    FAQ: Berufsunfähigkeit für selbstständige Handwerker

    Häufige Fragen

    Was ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Handwerker?

    Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich dauerhaft nicht mehr zu mindestens 50 Prozent ausüben kannst. Für selbstständige Handwerker ist sie eine der wichtigsten Absicherungen, weil sie kein Arbeitgebersicherungssystem haben, das im Krankheitsfall auffängt.

    Braucht jeder selbstständige Handwerker eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

    Für die meisten selbstständigen Handwerker ist eine BU sehr empfehlenswert, weil ihr Einkommen direkt von ihrer Arbeitsfähigkeit abhängt. Wer körperlich arbeitet und gleichzeitig der wichtigste Motor seines Betriebs ist, trägt ein besonders hohes Risiko. Ob und in welcher Höhe eine BU sinnvoll ist, hängt aber von der individuellen Situation ab – eine Prüfung ist ratsam.

    Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Handwerker?

    Es gibt keinen pauschalen Beitrag. Der Preis hängt von Alter, Beruf, Gesundheitszustand, Höhe der Rente, Laufzeit und Tarifdetails ab. Körperliche Berufe wie Dachdecker oder SHK-Meister werden höher eingestuft als Büroberufe. Wer früh abschließt, zahlt deutlich weniger als jemand, der erst mit 45 vorsorgt. Pauschale Zahlen ohne Kontext sind unseriös.

    Zahlt die BU auch bei einem Unfall?

    Ja, die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt sowohl bei Unfällen als auch bei Erkrankungen. Tatsächlich gehen die meisten BU-Fälle auf Krankheiten zurück, nicht auf Unfälle. Wer die BU nur als „Unfallversicherung“ versteht, unterschätzt das viel größere Risiko der Erkrankung.

    Was ist der Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit?

    Berufsunfähigkeit bedeutet, du kannst deinen konkreten Beruf nicht mehr ausüben. Erwerbsunfähigkeit bedeutet, du kannst überhaupt nicht oder nur noch sehr eingeschränkt arbeiten – egal in welchem Beruf. Für Handwerker ist die Berufsunfähigkeitsversicherung meist die sinnvollere Wahl, weil sie schon zahlt, wenn der eigene Beruf nicht mehr möglich ist.

    Brauche ich als Handwerker Krankentagegeld oder Berufsunfähigkeit?

    Beide ergänzen sich. Das Krankentagegeld sichert dein Einkommen bei vorübergehender Erkrankung – etwa für einige Wochen oder Monate. Die Berufsunfähigkeitsversicherung greift, wenn die Einschränkung dauerhaft ist. Wer nur eines von beiden hat, hat im jeweils anderen Fall eine Lücke. Sinnvoll ist meist beides zusammen.

    Was bedeutet abstrakte Verweisung?

    Die abstrakte Verweisung erlaubt der Versicherung, dich auf einen anderen Beruf zu verweisen, den du noch ausüben könntest, statt zu zahlen. Ein guter Tarif verzichtet darauf – das bedeutet, die Versicherung zahlt, sobald du deinen eigenen Beruf nicht mehr machen kannst. Wer beim Abschluss nur auf den Preis schaut, kauft oft einen Tarif mit Verweisung und geht im Ernstfall leer aus.

    Berät Handwerksabsicherung selbst?

    Nein. Handwerksabsicherung ist kein Versicherungsmakler und verkauft keine Versicherungen. Wir sind eine Plattform, die Anfragen von Handwerksbetrieben an spezialisierte Versicherungsexperten mit Branchenkenntnis weiterleitet – kostenlos und unverbindlich.

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